Anna zeigt, was sie versteht
Anna zeigt an einer erfundenen Familie, wie sie aus zwei Aussagen eine dritte Beziehung ableitet: Walter ist Merles Großvater. Die Aufnahme zeigt den Weg vom Satz über die Grammatik zum Graphen und dokumentiert zwei beim Dreh gefundene Fehler. Im damaligen Prüfstand traf Anna 13 von 16 Erwartungen ohne falschen Eintrag.
Eine KI, die man fragt, antwortet. Ob sie verstanden hat, sieht man ihr nicht an. Bei Anna soll man es sehen können, deshalb zeigt diese Folge kein Ergebnis, sondern den Weg dorthin.
Was passiert im Video?
Ich erzähle Anna von einer erfundenen Familie: meiner Tochter Merle, meinem Vater Walter und einer Katze namens Pixel. Oben wächst dabei der Graph, ein Netz aus allem, was Anna weiß.
- Bei jedem neuen Namen fragt sie, ob ich jemand Neues meine. Sie rät nicht.
- Wer Merles Großvater ist, habe ich ihr nie gesagt. Als ich frage, antwortet sie trotzdem „Walter“: Sie schließt es aus „Merle ist meine Tochter“ und „Walter ist mein Vater“.
- Bei der Katze fragt sie nach dem Namen. Bei einer Mücke würde sie das lassen.
- Jedes unterstrichene Wort ist ein Knoten in ihrem Wissen. Ein Tipp auf „Merle“ zeigt, was Anna über sie weiß, und springt zu ihr in den Graphen. Ein Tipp auf „ist“ zeigt die Grammatik: Verb, Präsens, Grundform „sein“.
Das ist gemeint mit „Grammatik, Daten und Logik. Jeder Schritt nachvollziehbar.“
Was beim Drehen schiefging
Zweimal hat uns das Video Fehler in der App gezeigt, die sonst niemand bemerkt hätte. Beim ersten Versuch stand im Fenster zu Merle „Geschlecht: männlich“, direkt über „Merle ist eine Tochter“, weil eine Namensliste Merle als Männernamen führt. Jetzt überstimmt die gesagte Rolle die Liste. Beim dritten Versuch flog die Kamera zu Merle und sprang eine Sekunde später zurück. Auch das ist behoben.
Der Stand im Prüfstand
Anna und eine große KI lesen dieselben drei Texte. Seit Folge 1 hat sich der Prüfstand geändert: „Jonas wohnt nicht mehr in Leipzig“ zählt jetzt als Ende des Wohnens, nicht als Verneinung. Damit sind es 16 Erwartungen statt 14, und die Zahlen von damals lassen sich nicht direkt vergleichen.
| Treffer | etwas Falsches geschrieben | |
|---|---|---|
| Anna (30.9.) | 13 von 16 | nichts |
| große KI (29.9.) | 11 von 16 | 1 Eintrag |
Die KI hat mit dem neuen Protokoll aufgehört, Beziehungen zu erfinden. In Folge 1 waren es vier. Ihr einer falscher Eintrag liegt an mir: Mein Protokoll kann ein „nicht mehr“ noch nicht als Ende ausdrücken, also schreibt sie eine Verneinung. Beide scheitern an „arbeitet bei Kranich Logistik“: Anna liest die Firma als zwei Beteiligte, die KI wählt die falsche Form.
Jede Zeile, jeder Text und jede Änderung am Prüfstand stehen offen auf der Prüfstand-Seite.
Wenn du dabei sein willst, wenn fak10 erscheint: Zur Warteliste
Was schließt Anna genau – und worauf stützt sie sich?
Anna bekommt hier keine Information über einen echten Haushalt. In der erfundenen Familie kennt sie zwei Sätze: Merle ist die Tochter des Erzählers, und Walter ist sein Vater. Aus diesen beiden Verbindungen folgert sie, dass Walter Merles Großvater ist. Der Schluss entsteht aus den Aussagen im Gespräch; er kommt nicht aus einer Namenssuche oder einer Online-Datenbank. Das ist der Unterschied zwischen einer gespeicherten Aussage und einer Beziehung, die sich aus mehreren Aussagen ergibt.
Die Aufnahme macht diese Schritte sichtbar. Wenn du auf einen Namen tippst, öffnet sich sein Wissensfenster. Ein unterstrichenes Wort führt zu einer Beziehung oder einem Begriff; bei „ist“ zeigt Anna zusätzlich die erkannte Grammatik. Du kannst also prüfen, welche Person gemeint ist und welche Wortform die Aussage trägt. Der Graph ist keine vorgezeichnete Familienübersicht: Er wächst aus den Sätzen, die in diesem Beispiel eingegeben wurden.
Wo endet die Demonstration?
Die Katze Pixel ist ein absichtlicher Grenzfall. Anna fragt nach ihrem Namen, weil der Satz die Katze erwähnt, aber keinen Namen nennt. Bei einer Mücke würde sie nicht nach einer Person fragen, weil der Gesprächskontext sie nicht als wichtige Figur behandelt. Solche Unterschiede zeigen, dass die App nicht jede Lücke automatisch füllt. Wenn die Aussage zu wenig hergibt, kann Anna nachfragen, statt einen Namen zu erfinden.
Das Video ist deshalb ein Blick auf einen konkreten Ablauf, kein Beleg dafür, dass Anna jede Spracheingabe versteht. Der Testbench misst andere, klar festgelegte Erwartungen; dort stehen auch die verwendeten Texte und die Grenzen des Vergleichs. In dieser Folge geht es um Nachvollziehbarkeit: Man kann vom Satz zum Knoten und wieder zurückgehen und sehen, woher eine Schlussfolgerung kommt.
Welche Information braucht Anna für den Schluss?
Der Großvater-Schluss funktioniert nur, weil beide Ausgangssätze vorhanden sind und sich auf dieselbe erzählende Person beziehen. Wenn Anna nur wüsste, dass Walter der Vater des Erzählers ist, könnte sie daraus allein nichts über Merle ableiten. Wenn Merle nicht die Tochter des Erzählers wäre, fehlte die zweite Verbindung ebenfalls. Das Beispiel ist also überprüfbar: Entfernt man eine Grundlage, fehlt auch der Weg zum Ergebnis.
Darum zeigt die Folge sowohl den Graph als auch die Grammatik. Eine plausible Antwort allein würde nicht verraten, ob sie aus einer Aussage folgt oder nur gut klingt. Hier kann man nachsehen, welche Namen verbunden sind und wie Anna die Wörter eingeordnet hat. Die Familie ist erfunden, aber der Ablauf macht eine echte Grenze sichtbar: Anna braucht passende Eingaben, bevor sie schließt.
Zum technischen Hintergrund: Der W3C OWL 2 Primer erklärt Ableitungen aus Beziehungen; W3C PROV-O beschreibt die Herkunft von Aussagen. Diese Standards erläutern die Begriffe, nicht eine behauptete Konformität der App.